Die private Krankenversicherung – die Versicherung erster Güte

Natürlich weist Du um die mediale Berichterstattung, wenn es um gesetzliche Krankenversicherungen und private Krankenversicherungen geht. Fakt ist aber auch, dass nicht einmal jeder das Recht hat, eine private Krankenversicherung zu bekommen, weil sie ein Jahresgehalt von 60.000,- Euro im Schnitt erwartet oder Berufsstände wie Beamte, Selbstständige sowie Ärzte begünstigt. Gehörst Du zu diesen Leuten, die um die 600,- Euro pro Monat für die private Krankenversicherung zahlen können und auch
wollen? Dann bist Du im Besitz einer erstklassigen Krankenversicherung, die erster Güte in den Behandlungsräumen zum Vorschein kommt. Das
Zweiklassenkrankensystem ist also im vollen Gange. Doch damit einige Gerüchte aufgeräumt werden, helfe ich mit ein paar Informationen aus.

Komme ich mit einer privaten Krankenversicherung schneller an Termine?

Ja auf jeden Fall. Es hat sich statistisch so entwickelt, dass Patienten mit einer gesetzlichen Krankenversicherung im Durchschnitt 28 Tage länger warten müssen, dass sie bei einem Arzt einen Termin erhalten, als Du, wenn Du eine private Krankenversicherung hast. Das bedeutet gerade auch bei schwer zu erhaltenden Fachterminen oder in Notfällen kurz vor der Schließung der Praxis, dass Privatpatienten doch noch mal eben kurz dran kommen oder schneller ran kommen, trotz Wartezeit als gesetzlich versicherte Patienten. Du findest das unfair? Da tun wir zwei uns nichts in der Meinung, aber Ärzte verdienen mehr an Privatpatienten und dadurch werden diese auch deutlich besser bei einem Arzttermin behandelt. Mach gerne mal den Selbstversuch und gib vor, dass Du Privatpatient bist, und einen Termin für die Neurologie, Gynäkologie oder Radiologie möchtest. Wenige Stunden später rufst Du als gesetzlich versicherter Patient an und erlebst dicke Terminüberraschungen, wenn Du mir nicht glauben möchtest.

Die Vorteile einer privaten Krankenversicherung auf einem Blick

Die Leistungen Deiner möglichen privaten Krankenversicherung sind je nach Tarif deutlich größer, als bei gesetzlichen Krankenversicherungen, wo nur das Nötigste bezahlt wird. Deswegen ist eine private Versicherung für Deine Gesundheit durchaus sinnvoll, aber Du musst wissen, dass sie monatlich eben teurer ist. Ob es sich lohnt? Das erkennst Du an folgenden Vorzügen, die ich Dir nicht vorenthalten möchte.

Du genießt eine freie Arztwahl
• Schnellere Termine, auch bei Fachärzten mit langen Wartezeiten
• Finanzielle Entlastung bei Sehhilfen
• Hochwertige Zahnersatzleistungen
• Freie Wahl des Krankenhauses
• Anspruch auf 1—Bett-Zimmer oder 2-Bett-Zimmer
• Übernahme vieler Physiotherapie Leistungen
• Übernahme vieler Heilpraktiker Leistungen und alternativen Medizin
• Bessere Medikamente und weniger Zuzahlung
• Kieferorthopädie
• Massagen

Das sind doch Vorteile, die schon deutlich ins Gewicht fallen oder? Natürlich zahlt man dann auch monatlich etwas mehr, aber es kann sich lohnen, wenn Du die Hilfe in Anspruch nehmen musst.

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Werde ich mit einer privaten Krankenversicherung anders behandelt?

Zunächst einmal sei hier wohl ein „Jein“ zu erwähnen. Wenn Du als Patient zu einem Doktor gehst, um Deine Knieschmerzen zu diagnostizieren, dann wirst Du als privat Versicherter sowie gesetzlich Versicherter abgetastet, geröntgt oder mittels Ultraschall untersucht. Da gibt es vorerst keine entsprechenden Unterschiede, sodass Du dich vielleicht jetzt fragst, warum dann eine private Krankenversicherung? Wenn die gängigen Leistungen für beide Versicherten jedoch aufgebraucht sind, kommt das bekannte „ABER“. Denn eine private Krankenversicherung zahlt im Endeffekt mehr Leistungen, als die gesetzliche Krankenversicherung, wenn der Arzt sie entsprechend rechtfertigen kann. So kannst Du bei Knieschmerzen z.B die neuste 3D-Technologie für Dein Bein in Anspruch nehmen und hast dadurch einen verbesserten Blick als beim Röntgen. Das sind kleine Feinheiten und Unterschiede, die im Ernstfall aber Diagnosen erleichtern, wo ein gesetzlich Versicherter keine Chance hat.

Bleiben die Beiträge von privaten Krankenkassen stabil?

Leider haben wir da den ersten Nachteil gefunden. Denn gesetzliche Krankenversicherungen bleiben mit ihren Beiträgen nahezu stabil und richten sich nur nach dem Verdienst, aber werden nicht überteuert. Während private Krankenkassen jederzeit die Beiträge neu festsetzen können und es kann auch verdammt teuer werden. Je älter Du wirst, desto höher wird der Beitrag auf Dauer steigen. Wieso? Du steigerst mit dem Alter das Risiko an teuren und ernsthaften Erkrankungen wie operative Maßnahmen und deswegen steigert sich der finanzielle Beitragsrahmen oftmals deutlich.

Vorsicht im Alter bei dem Wiedereintritt in die gesetzliche Krankenversicherung

Ein wichtiges Problem, welches ich bei allen guten Aspekten einer privaten Krankenversicherung nicht außer Acht lassen möchte, ist, dass man im höheren Alter deutliche Schwierigkeiten haben wird, zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung zu kommen. Schon ab 55 Jahre wird es schwierig, dass Du von der privaten in die gesetzlichen Krankenversicherung zurück wechseln kannst. Das hat natürlich schwerwiegende Nachteile für dich und kann Deiner Gesundheit schaden. Da es in Deutschland aber eine Pflicht zur Krankenversicherung gibt, kann dies auch schwerwiegende finanzielle Folgen haben. So hat es in der Vergangenheit nicht selten so ausgesehen, dass die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung teilweise genau so horrend sind, wie bei privaten Krankenversicherungen, aber die Leistungen dafür weniger. Pass also auf, dass Du rechtzeitig von der privaten Krankenversicherung zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechselst.

Sind Familienangehörige in der privaten Krankenversicherung mit versichert?

Nein leider nicht. Dieses Glück hast Du bei einer gesetzlichen Krankenkasse wiederum schon. Bei der privaten Krankenversicherung musst Du alle Familienangehörige separiert versichern mit separierten Beiträgen. Selbst Neugeborene musst Du schnell binnen 2 Monaten angemeldet haben, außer ein Elternteil ist gesetzlich versichert, weil dann ist das Baby automatisch dort mit versichert.

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Die private Krankenversicherung und mein Fazit

Es ist keineswegs zu verachten, welche Vorteile durch eine private Krankenversicherung aufkommen. Ich kann sie ganz einfach nicht leugnen und Du erkennst sie ja auch selber. Doch es gibt auch kostspielige Nachteile sowie Probleme im Alter und mit den immer wieder steigenden Beiträgen, was rechtlich vollkommen in Ordnung ist. Wenn Du jedoch mehr Behandlungsvielfalt und eine bessere Technologie bei der Behandlung sowie wenig Wartezeiten bevorzugst, bist Du mit der privaten Krankenkasse immer besser beraten. Achte aber wirklich darauf, dass Du rechtzeitig in die gesetzliche Krankenversicherung zurück gehst, ehe es zu spät ist.

Autor: Tina Müller (übertragen an Marcel Rübesam am 20.04.2019)

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2 Kommentare

  1. Korrekt! Ich hatte massig Probleme von privat zur gesetzlichen zu wechseln. Und die Auflistung, was man bekommt, stimmt zwar, aber das steht in keiner Relation zum Monatsbeitrag. Vor allem dann nicht, wenn man 2-3 Jahre sowieso gesund ist, dann nur mal Wehwechen hat usw.. Ich bin daher wieder gewechselt, wenn es auch durch das Alter schwerer wurde.

     
  2. Hi,
    für Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es allerdings noch eine Alternative, die gerade vom Gesundheitsministerium befeuert wird.
    Die hausarztzentrierte Versorgung (HZV).
    Der einzige Nachteil ist, dass man immer wieder zurück zum Hausarzt muss, auch für Vorsorgeuntersuchungen muss man beim Hausarzt eine Überweisung holen.

    Die Vorteile:
    Die Versorgung erfolgt planvoll
    Keine Doppelbehandlungen mehr (Gerätemedizin wie Röntgen, MRT, PET oder ähnliches)
    Keine unnötigen Arzneimittel, (weil der Hausarzt sieht was man alles schlucken muss)
    Keine Doppeldiagnosen.

    Alles landet wieder beim Hausarzt.
    Man hat immer noch die freie Arztwahl bei Fachärzten, doch die sind verpflichtet, alle Informationen dem Hausarzt bereitzustellen.

    Zur Zeit ist eine Gesetzesanpassung im Gange, die dem Patienten einen finanziellen Bonus zu teilen soll, sofern er sich für die HZV entscheidet.

    Die Stehzeit in den Praxen ist auch geringer.

     

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