Postbank – Post und Bank in einem

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Postbank ist eine Marke und der Name von Zweigniederlassungen der DB Privat- und Firmenkundenbank AG. Schwerpunkt ist das standardisierte Privatkundengeschäft, daneben ist sie Hausbank der Deutschen Post.

Bis zur Verschmelzung auf die DB Privat- und Firmenkundenbank im Mai 2018 war die Deutsche Postbank AGab dem Jahr 2015 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Die Deutsche Postbank AG ging im Zuge der zweiten Postreform von 1994 mit dem Poststrukturgesetz als eines von drei Unternehmen aus der Privatisierung der Deutschen Bundespost, einem vormaligen nicht rechtsfähigen Sondervermögen des Bundes, hervor. Die Deutsche Postbank AG war Rechtsnachfolger des im Rahmen der ersten Postreform von 1989 aus den Postgiro- und Postsparkassenämtern gebildeten staatlichen Unternehmens Deutsche Bundespost Postbank.

Geschichte

Anfänge

1909 wurde der Postscheckdienst im Deutschen Reich eingeführt. Hintergrund war die Notwendigkeit eines reichsweiten bargeldlosen Zahlungsverkehrs, den das vorhandene Bankwesen seinerzeit nicht anbot. Jeder hatte Anspruch auf ein Postscheckkonto, von dem aus bargeldlose Zahlungen getätigt werden konnten. Überweisungen, Scheckeinreichungen und Kontoauszüge wurden mit der Post versandt, sodass außer für Barein- und -auszahlungen kein Filialnetz notwendig war. Insofern war die Postbank als Rechtsnachfolgerin der Postscheckämter die älteste Direktbank Deutschlands.

Ein Postsparkassendienst war bereits 1883 in Österreich gegründet worden und wurde am 2. Januar 1939 als Folge der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich im März 1938 reichsweit eingeführt. Ein Sparer konnte an allen deutschen Postämtern Einzahlungen leisten und sich Geld auszahlen lassen. Die Möglichkeiten der Auszahlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sukzessive auf weitere europäische Länder ausgedehnt, sodass sich Sparer in vielen europäischen Ländern kostenfrei Geld von ihrem Postsparbuch in Landeswährung auszahlen lassen konnten.[3]

Mitte der 1980er wurde der Postscheckdienst in den zeitgemäßen Begriff Postgirodienst umbenannt, da der alte Begriff erklärungsbedürftig war und Nachteile im Zuge der zunehmenden Konkurrenz im Geschäft mit Girokonten der Banken einbrachte. Damals war auch eine Überziehung des Kontos (Kontokorrentkredit) grundsätzlich nicht möglich, allenfalls ein negativer Saldo von 500 bis maximal 1000 DM wurde geduldet. Lediglich für Bedienstete der Deutschen Bundespost bestand durch Kooperation mit den Post- Spar- und Darlehnsvereinen ein Dispositionskreditrahmen zur Verfügung.

Die Postbank gehört zu den Pionieren des Onlinebankings. Sie begann zunächst 1983 mit einem Versuch über Bildschirmtext.[4] In den Folgejahren wurde das Onlinebanking unter T-Online weitergeführt.[5]

Postreformen

Mit Wirkung zum 1. Juli 1989 wurde die Deutsche Bundespost kraft Poststrukturgesetz im Zug der ersten Postreform in drei eigenständig am Markt auftretende öffentliche Unternehmen (Teilsondervermögen) aufgegliedert.[6] Die Postbank firmierte von da unter dem Namen Deutsche Bundespost Postbank (kurz DBP Postbank) und nahm am 1. Januar 1990 die Geschäftstätigkeit auf.[7] Sie wickelte weiterhin Postsparkassen- und Postscheckdienst über die Postämter ab.[6]

Im Rahmen der zweiten Postreform von 1994 wurden die drei Unternehmen der Bundespost in Aktiengesellschaftenumgewandelt und die Bundespost aufgelöst. Am 2. Januar 1995 erlangte die Deutsche Postbank AG als Nachfolgeunternehmen der Deutschen Bundespost Postbank die Selbständigkeit und die Vollbanklizenz, wodurch die Postbank neue Geschäftsfelder im Kredit- und Wertpapierbereich erschließen durfte.

Deutsche Postbank AG

Erwerb durch Deutsche Post

1999 erwarb die Deutsche Post AG die Postbank von der Bundesrepublik Deutschland. 2000 erwarb die Postbank die DSL Bank. 2001 gründete die Postbank die PB Factoring und stieg damit ins Factoring ein.[8]

Da die Auszahlung von Postsparguthaben im Ausland aufwendig war (zweisprachige Vordrucke mussten erstellt und nebst entsprechenden Anleitungen an ausländische Poststellen verteilt werden), wurde sie nach Einführung der Sparcard (s. u.) durch eine weltweite Gültigkeit[9] derselben ersetzt.

Ab dem 1. Januar 2004 hat die Postbank die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für die Deutsche Bank und die Dresdner Bank übernommen und in die Betriebs-Center für Banken (BCB) ausgelagert.[10]

Börsengang

Am 6. Mai 2004 teilte Klaus Zumwinkel, damaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG (Eigentümerin der Postbank) mit, dass die Postbank am 21. Juni 2004 an die Börse gehen und bis zu 50 Prozent minus einer Aktie der Postbank verkauft werde. Die in der ersten Bookbuilding-Phase am 6. Juni festgesetzte Preisspanne von 31,50 bis 36,50 Euro wurde am 19. Juni auf 28,00 bis 32,00 Euro aufgrund der geringen Nachfrage geändert und der Börsengang auf den 23. Juni verschoben.

2005 wurde die Übernahme der BHW Holding AG eingeleitet. Am 21. März 2005 übernahm die Postbank 9,2 % der Anteile an der BHW Holding AG von der Ergo Versicherungsgruppe. Am 25. Oktober wurde mit der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften(BGAG) und dem dbb (Beamtenbund) ein Vertrag zur Übernahme von weiteren 76,4 % Anteilen an der BHW Holding AG abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde am 2. Januar 2006 vollzogen, womit die Postbank 91,04 % der Anteile hielt und damit den BHWKonzern erfolgreich übernahm.[11]

Anfang 2007 wurde die Postbank Vertriebsakademie GmbH als jüngste Tochter der Postbank gegründet. Damit bündelt sie die Bildungsaktivitäten an zentraler Stelle und stellt die Qualifikation der Berater sicher. Auf Grund der Ausweitungen des Weiterbildungsschwerpunktes auch auf Themen jenseits des Vertriebs erfolgte im Juli 2010 die Umbenennung in Postbank Akademie und Service GmbH.

Die Aktie der Deutschen Postbank wurde vom 18. September 2006 bis 20. März 2009 im DAX und anschließend bis 9. Dezember 2010 im MDAX gelistet.[12]

Im November 2008 wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung 54,8 Millionen neue Aktien ausgegeben. Der Bruttoemissionserlös betrug rund eine Milliarde Euro. Die neuen Aktien wurden zu 99,3 % von der Deutschen Post AG übernommen, die damit ihren Anteil an der Postbank AG auf zirka 62,3 % steigerte.[13]

Übernahme durch deutsche Bank

Die Postbank beauftragte die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley, einen Fusionspartner zu suchen. Im September 2008 wurde eine Übernahme durch die Deutsche Bank angekündigt, die der Offerte der spanischen Großbank Santander zuvorkam. In einem ersten Schritt wollte sich die Deutsche Bank mit 29,75 Prozent an der größten deutschen Filialbank beteiligen. In den folgenden zwölf bis 35 Monaten sollten weitere 20,25 Prozent plus eine Aktie übernommen werden.[14] Der Kauf der Postbank wurde mit mehr als 8 Mrd. Euro bewertet. Das positive Votum des Post-Aufsichtsrats wurde am 12. September 2008 bekanntgegeben.[15]

Im Februar 2009 wurde der Übernahmeplan aufgrund der Finanzkrise geändert.[16] Die Deutsche Bank übernahm nun in einem ersten Schritt 22,9 % der Aktien. Gleichzeitig wurden zwischen Deutscher Bank und Deutscher Post eine Pflichtumtauschanleihe, die nach drei Jahren in 27,4 % der Postbank-Aktien getauscht wird, und Aktienkauf- und -verkaufsoptionen über weitere 12,1 % der Postbank-Aktien vereinbart.

Am 25. Februar 2009 gab die Deutsche Post bekannt, dass die erste Tranche (22,9 %) der Postbank-Aktien an die Deutsche Bank übertragen wurde.[17] Mit zusätzlich am Aktienmarkt gekauften Papieren verfügte die Deutsche Bank zum 31. Dezember 2009 über 29,88 % der Postbank-Aktien.[18] Im November 2010 erwarb die Deutsche Bank die Mehrheit der Anteile und baute diese Mehrheit kontinuierlich aus. Am 28. Februar 2012 teilte sie mit, mittlerweile den vollständigen Anteil der Deutschen Post von 39,5 % mittels Pflichtwandelanleihe und der Verkaufsoption der Deutschen Post übernommen und weitere Aktien am freien Markt aufgekauft zu haben, so dass sich der Anteil an der Postbank nun auf 93,7 % beläuft.[19] Am 30. März 2012 wurde der Beschluss über den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages[20] zwischen der Deutsche Postbank AG als abhängigem Unternehmen und der DB Finanz-Holding GmbH als herrschendem Unternehmen bekanntgegeben, dem die obligatorische Zustimmung der Hauptversammlung der Deutsche Postbank AG am 5. Juni 2012 folgte.[21]

Seit Anfang 2015 bestehende Überlegungen der Deutschen Bank, die Postbank wieder auszugliedern und in ein eigenständiges Unternehmen zu überführen,[22]wurden durch den Beschluss des Aufsichtsrats der Deutschen Bank in einer Sondersitzung vom 24. April 2015 konkretisiert, die Postbank zu „entkonsolidieren“.[23] Die genaue Art des Ausstiegs blieb dabei zunächst offen. Am 21. Dezember 2015 wurde das Delisting von der Frankfurter Wertpapierbörse und der Squeeze-out mit dem Eintrag ins Handelsregister abgeschlossen. 2016 sollte die Postbank entweder an die Börse gebracht oder an einen Investor verkauft werden,[24] das Vorhaben wurde dann aber wegen der Umsetzungsregeln zu Basel III auf 2017 verschoben.[25] Am 6. März 2017 verkündete Vorstandschef John Cryan jedoch, dass die Postbank mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank verschmolzen werden soll,[26] was am 25. Mai 2018 vollzogen wurde.

Verschmelzung

Mit Wirkung zum 25. Mai 2018 wurde die Deutsche Postbank AG auf die das Filialgeschäft der Deutschen Bank betreibende Schwestergesellschaft Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG verschmolzen. Unmittelbar anschließend wurde die Rechtsnachfolgerin in DB Privat- und Firmenkundenbank AG umfirmiert.[27]Taggleich wurde die Postbank – eine Niederlassung der DB Privat- und Firmenkundenbank AG in das Handelsregister eingetragen,[28] die die Marke Postbankfortführt.

Ehemalige Vorstandsvorsitzende

Von 1990 bis 1997 war Günter Schneider Vorstandsvorsitzender (bis 1994 als Vorstand der Generaldirektion Postbank innerhalb der Bundespost, anschließend der Deutschen Postbank AG). Ihm folgte Dieter Boening als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Postbank bis 1999 nach. Von 2000 bis 2007 war Wulf von Schimmelmann Vorstandsvorsitzender, im Sommer 2007 übernahm Wolfgang Klein das Amt. Vom 1. Juli 2009 bis zum 30. Juni 2012 saß Stefan Jütte dem Vorstand der Postbank vor. Am 1. Juli 2012 übernahm Frank Strauß den Vorstandsvorsitz der Deutschen Postbank AG.

Kennzahlen

Mit einer Bilanzsumme von 147 Mrd. Euro war die Postbank Ende 2016 die elftgrößte Bank in Deutschland.

Im Jahr 2007 nach Eingliederung der BHW hatte die Postbank 22.000 Mitarbeiter plus 4.500 freie Handelsvertreter, die in der Postbank Finanzberatung AG mit Sitz in Hameln gebündelt sind.

Produkte

Zu den Produkten zählen Girokonten, Kreditkarten, Sparkonten, Wertpapierhandel und Kredite, Baufinanzierung, sowie Vermittlung von Versicherungen.

Mobile-Payment

Seit September 2017 können Kunden der Postbank mit der AndroidApp im Handel kontaktlos bezahlen. Voraussetzung sind eine Postbank-VisaKreditkarte und ein Smartphone mit NFC sowie mindestens Android 4.4. Mit der App Postbank Finanzassistent kann damit an allen Kontaktlos-Terminals weltweit bezahlt werden.[32]

Gebühren für Spareinlagen

Zum 1. Januar 2008 führte die Postbank eine neue Gebührenstruktur ein. Seitdem fielen für Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist, die bis in die 1990er Jahre eröffnet wurden, monatliche Kontoführungsgebühren in Höhe von 1,00 Euro an und zwar bis zum vollständigen Verbrauch des Guthabens. Die Hürden zur Vermeidung dieser Kosten waren nicht sehr hoch: entweder ein Guthaben über 60 Euro, mindestens eine Ein- oder Auszahlung in den letzten drei Jahren, oder der Kontoinhaber ist minderjährig. Die Einführung dieser neuen Bedingungen blieb vielen Kunden verborgen. Die entsprechende Information erfolgte kurz vor Jahresende 2007 in einem Schreiben, das sehr leicht mit Werbung zu verwechseln war. Der Hinweis auf die Änderung der Gebührenstruktur wurde im Text versteckt.[36] Seit 2013 wird diese Gebühr nicht mehr erhoben.

DAX-Sparbuch

Das Produkt DAX-Sparbuch erhielt massive Kritik von Verbraucherschützern, da es nicht die Rendite erwirtschaftete, die die Werbung suggerierte.[37] So sollte der Anleger mit dem DAX-Sparbuch zusätzlich zu einem Basiszins die Hälfte des Anstiegs des Börsenindizes DAX erhalten. Erst bei genauerem Hinsehen bzw. nach Gutschrift der Zinsen ergab sich, was dies bedeutete, nämlich dass bei einem angenommen linearen DAX-Anstieg von 12 % im Jahr (also etwa 1 % pro Monat) der Anleger nicht etwa 6 % p. a., sondern lediglich 0,5 % p. a. zusätzlich erhielt. Dies lag daran, dass die Berechnung des DAX-Bonus monatlich erfolgte. Der Anstieg des DAX um 1 % in einem Monat führte somit nicht zu einem Bonus von 0,5 % pro Monat, sondern nur 0,5 % p. a., was etwa 0,042 % pro Monat entsprach. Das Produkt wird seit Januar 2010 nicht mehr angeboten. Bestehende DAX-Sparbücher führt die Postbank allerdings weiter. Die Konditionen wurden geändert: Es wird ein Zehntel des monatlichen DAX-Anstiegs, höchstens aber 3 % berücksichtigt und jeden Monat gutgeschrieben. Die Mindesteinlage wurde von 50.000 auf 25.000 Euro gesenkt.[38]

Link: www.Postbank.de

Bildnachweis
Wikipedia
Dieser Text basiert auf dem Artikel Postbank aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).
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