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Die Visa Inc. ist eine Aktiengesellschaft und neben Mastercard eine der beiden großen internationalen Gesellschaften für KreditkartenDebitkarten und Guthabenkarten und beschäftigte 2016 rund 14.200 Mitarbeiter. Die Marke VISA ist ein rekursives Akronym und steht für Visa International Service Association. Visa vergibt Lizenzen an Banken in aller Welt für die Ausgabe ihrer Karten (Issuing-Lizenzen) und für die Abrechnung von Vertragsunternehmen (Acquiring-Lizenzen). In Europa ist die in London-Westminster ansässige Niederlassung Visa Europe Services Inc. zuständig. Zum Einflussbereich der europäischen Niederlassung gehören auch die außereuropäischen Staaten Türkei und Israel. Die Aufgaben und Rechte der Visa nehmen in den einzelnen Staaten sogenannte Domestic Members wahr.

Mit einem Umsatz von 19,4 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 9 Mrd. USD, steht Visa Inc. laut den Forbes Global 2000 auf Platz 164 der weltgrößten Unternehmen (Stand: Jahr 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf eine Marktkapitalisierung von ca. 295 Mrd. USD.[3]

Geschichte

Die Kreditkarte ist die Weiterentwicklung der früheren BankAmericard. 1970 wurde die National Bank Americard Inc. mit 243 Banken als Gründungsmitglieder gegründet und 1976 in Visa umbenannt.[4] Die im Visa-Logo verwendeten Farben Blau und Gold sollen den blauen Himmel und die goldfarbenen Hügel des US-Bundesstaates Kalifornien symbolisieren, in dem die Bank of America gegründet wurde. Von 1981 bis 1987 wurden in der Bundesrepublik Deutschland Visa Karten nur durch die Bank of America ausgegeben. Im April 1987 übernahm die spätere Santander Direkt Bank AG die Visa Mitgliedschaft der Bank of America.[5] 1988 folgten auch die Citibank Privatkunden AG und die Noris Verbraucherbank GmbH. 1992 wurden die SGZ Bank AG und die Postbank Mitglied von Visa und 1995 folgte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

2006 hatte Visa in den USA einen Marktanteil von 44 Prozent bei den Kreditkarten und 48 Prozent bei den Debitkarten.[6] Nach einer Studie der Finanznachrichtenagentur Bloomberg betrug der Marktanteil im Jahr 2010 weltweit 65 Prozent.[7]

Visa ist gemeinsam mit Europay International (ehemals Eurocard) und Mastercard International einer der Gründer der EMV-Spezifikation für Kreditkarten mit Chip.[8]

Mit der neuesten Kartengeneration bietet Visa mit der Visa payWave card die Möglichkeit an, kontaktlos direkt per Near Field Communication (NFC) durch Vorhalten der Karte an einem gesicherten System des point-of-sale zu bezahlen.[9]

Im August 2010 startete Visa Europe auch in Deutschland ein Pilotprojekt zusammen mit der Deutschen Kreditbank (DKB) zur Einführung der Visa CodeSure Karte, die über einen zufälligen Sicherheitscode verfügt, der über ein Tastenfeld auf der Karte generiert wird.[10]

Das Kreditkartenunternehmen gehört zu den ersten Hauptmitgliedern der FIDO-Allianz,[11] die seit 2013 den Industriestandard Universal Second Factor (U2F) für eine allgemein anwendbare Zwei-Faktor-Authentifizierung entwickelt hat.[12]

Am 2. November 2015 wurde bekannt, dass die US-amerikanische Visa Inc. die frühere Tochtergesellschaft Visa Europe für bis zu 21,2 Milliarden Euro zurückkaufen will. Hierbei sollen zunächst 16,5 Milliarden Euro gezahlt werden, im Rahmen einer Preisanpassung sollen die Visa Europe Mitgliedsunternehmen möglicherweise weitere 4,7 Milliarden Euro vier Jahre nach Transaktionsvollzug erhalten.[13] Die Vorauszahlungen sollen sich aus 11,5 Milliarden Euro in bar und aus in Visa Inc. Klasse-A-Stammaktien wandelbare Vorzugsaktien in Höhe von 5 Milliarden Euro zusammensetzen. Die Transaktion erfolgt vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden. Visa Inc. strebt an, die Transaktion zum dritten Geschäftsquartal des Jahres 2016 abzuschließen.[14][15] Visa Europe mit Hauptsitz London war 2004 ausgegliedert und im Oktober 2007, vor dem Börsengang der Visa Inc. an der NYSE im März 2008, als eigenständiges Unternehmen selbständig geworden.

Im Geschäftsjahr 2017 erzielte Visa mit 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 18,4 Milliarden US-Dollar.[16]

Kartellstreit 2007

Im Vorfeld des Börsengangs 2008 zahlte Visa 2007 an American Express außergerichtlich 2,1 Milliarden US-Dollar, um eine Klage des Konkurrenten zu vermeiden. American Express hatte Visa wettbewerbswidriges Verhalten vorgeworfen. Visa soll ihren Mitgliedsbanken zwischen 1996 und 2004 verboten haben, Kreditkarten von American Express auszugeben.[17]

Börsengang 2008

Am 19. März 2008 gelang dem Kreditkartenanbieter Visa Inc. mit Sitz in San Francisco der größte Börsengang in der US-Geschichte. Ursprünglich war ein Ausgabepreis von 37 bis 42 US-Dollar erhoben worden. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden 406 Millionen Anteilsscheine zu einem Preis von 44 US-Dollar platziert. Somit lag das Emissionsvolumen bei ca. 17,86 Milliarden US-Dollar. Da das Kaufinteresse an Wertpapieren am zweiten Tag extrem stieg, wurden weitere 40,6 Millionen Aktien von Visa zugeteilt. Am Tag des Börsenganges startete das Wertpapier (Wertpapiersymbol V) in der New York Stock Exchange (NYSE) mit einem Kurs von 59,50 US-Dollar. Zum Teil erreichte ein Anteilschein einen Höchstwert von 69 US-Dollar, jedoch sank der Kurs zu Börsenende auf 56,50 US-Dollar bei insgesamt 177 Millionen gehandelten Wertpapieren.[18][19]

Zahlen

JahrUmsatz
in Mio. US-$
Bilanzgewinn
in Mio. US-$
Angestellte
20052.665360
20062.948455
20073.590-1.076
20086.263804
20096.9112.353
20108.0652.966
20119.1883.650
201210.4212.144
201311.7784.9809.500
201412.7025.4389.500
201513.8806.32811.300
201615.0825.99111.300
201718.3586.69912.400

Produktportfolio

Kreditkarten

  • Visa Classic
  • Visa Premium (Gold, Platinum, Infinite)
  • Für kleine bis mittlere Geschäftskunden ist die Ausgabe spezieller Business-Karten (Visa Commercial) und für größere Unternehmen und Behörden auch im Corporate Design als Visa-Corporate-Karte erhältlich.
  • Die Visa Infinite Card der UniCredit Bank AG ist derzeit der einzige Bankemittent der Premium Card der Visa Inc. in Deutschland.
  • Black Card Visa – Die Black Card Visa Kreditkarte ist eine exklusive Kreditkarte aus schwarzem rostfreiem Stahl/Carbon und wird seit 2008 von Barclaycard USA an einen kleinen Kundenkreis ausgegeben. Die Jahresgebühr beträgt 495 USD (Stand: Januar 2015). Jeder Umsatz, der mit dieser Karte getätigt wird, wird mit 1 % rückvergütet. Die Kunden müssen im Jahr mindestens 50.000 USD ausgeben. Sie ist vergleichbar mit der American Express Centurion Card.[22] Karten dieses Typs wurden z. B. von der spanischen Bank Bankia an ihre Vorstände und Manager ausgegeben. Siehe Bankia-Kreditkarten-Skandal.

Debitkarten

  • Visa Electron in Europa. Diese Karte ist nicht hochgeprägt und kann ausschließlich am Point of Sale oder im Internet eingesetzt werden. Visa Electron kann dabei als Debit-, Kredit- und Prepaid-Karte ausgegeben werden.
  • V Pay, wurde neben Visa Electron ab 2006 als chip- und PIN-basierte Debitkarte in Europa eingeführt und basiert auf der EMV-Technologie; kann sowohl im Handel als auch an Geldautomaten, außer in der Ukraine, in weiten Teilen Europas eingesetzt werden.
  • Visa Check Card in den USA.
  • Visa Debit Card in Japan, den USA, Kanada, Finnland, Schweden und vielen weiteren Ländern. Bis 2004 im Vereinigten Königreich und in Irland als „Visa Delta“ vermarktet.
  • Visa Carte Bleue in Frankreich, kann als Debit- und Kreditkarte ausgegeben werden.

Guthabenkarten

  • Bei dieser Version muss zunächst Geld auf das Kreditkarten-Konto überwiesen werden. Verfügungen sind nur im Rahmen dieses Guthabens möglich. Die Guthabenkarte (Visa Prepaid) wird durch die Vertragspartner vergeben.

PLUS

  • Selten, aber möglich, ist die reine Bargeldbezugskarte PLUS analog zur gleichnamigen Geldautomatenmarke. Jede Visa-Plus Karte kann weltweit an Geldautomaten genutzt werden, die das Plus-Akzeptanzlogo aufweisen (analog zu Cirrus). Die Sparcard der Postbank oder die Postcard der PostFinance sind z. B. Visa-Plus Karten.

Visa Europe

Von Oktober 2007 bis November 2015 war Visa Europe Services Inc. unabhängig von Visa Inc., mit einer unwiderruflichen und unbefristeten Visa-Lizenz für Europa.[23] Die Mitgliedsorganisationen von Visa Europe kamen aus 36 europäischen Ländern. Visa Europe war in dieser Zeit ein Mitgliedsverband – eine Organisation im Besitz und unter Kontrolle ihrer 4.600 europäischen Mitgliedsbanken – und seit Juli 2004 ein eigenständig eingetragenes Unternehmen.

Hauptsitz von Visa Europe ist London. Weitere Geschäftsstellen befinden sich in Athen, Brüssel, Berlin, Frankfurt, Paris, Istanbul, Lissabon, Madrid, Mailand, Stockholm und Warschau.

Deutschland

Für die Ausgabe der Visa-Karten sind in Deutschland über 2.500 Banken und Sparkassen zuständig, die als Mitgliedsinstitut von Visa die entsprechenden Karten mit individuellem Preis- und Leistungskatalog anbieten. Zahlreiche Anbieter offerieren für das erste Jahr die Visa-Kreditkarte kostenlos oder zu einem Sondertarif beispielsweise für Schüler und Studenten oder in Verbindung mit einem neuen Girokonto, wo Kreditkarten kostenlos als Bonus-Leistung dazugegeben werden. Einige Banken bieten eine dauerhaft kostenlose Visa-Karte in Kombination mit einem kostenlosen Girokonto an.

Dabei handelt es sich sehr oft um eine sogenannte Chargenkarte, bei der es einmal pro Monat eine Abrechnung über die Kartenumsätze gibt. Einkäufe, die mit der Kreditkarte bezahlt werden, werden teilweise erst einen Monat nach Kauf in Rechnung gestellt, so dass ein Zinsvorteil entstehen kann.

Im Dezember 2004 gab es 404.202 und 2009 rund 490.000 Visa-Akzeptanzstellen in Deutschland und die Möglichkeit der Bargeldbeschaffung mit der Kreditkarte an 49.344 Geldautomaten sowie 8.111 Bargeldstellen. Anfang 2007 vereinbarte Visa Verträge über Akzeptanzstellen in Einzelhandelsmärkten der Rewe Group, seit 2008 auch in 52 ProMarkt-Filialen sowie in Hugendubel und Peek & Cloppenburg-Filialen. Neben dem sofortigen Zustandekommen eines Kaufvertrages läuft die Abbuchung von dem Kreditkartenkonto erst nach Ablauf des gewählten Abrechnungszeitraums.

Luxemburg

Ab dem 1. November 2011 erhalten die Kunden von elf Luxemburger Geschäftsbanken ihre V-Pay-Karte.[24]

Geschäftsmodell

Das Geschäft des Kreditkartenanbieters funktioniert nach folgendem Prinzip: Allein für die Abwicklung der Kreditkartenzahlung werden Gebühren erhoben. Das Risiko unbezahlter Kartenschulden tragen Banken und andere Organisationen, die die Kreditkarte ausgeben. Viele Produkte der Visa werden zusammen mit kostenlosen Girokonto-Paketen angeboten, bei denen eine monatliche oder jährliche Grundgebühr anfällt. Manche Kontopakete bieten Visa-Produkte ohne Grundgebühren an. Einige Bezahlvorgänge erfolgen ohne Autorisierung, so etwa unter bestimmten Bedingungen bei Beträgen bis 50 Euro in Deutschland. Dies wird nach Angaben des Unternehmens im Vergleich zu Bargeld als „besonders sicher“ bezeichnet.[25]

Kritik

Am 7. Dezember 2010 teilte Visa mit, dass über ihre Einrichtungen keine Spenden mehr an WikiLeaks entrichtet werden können.[26] Das geschah in engem zeitlichen Zusammenhang mit Maßnahmen anderer US-amerikanischer Finanzdienstleister wie PayPal und Mastercard, die ebenfalls nach der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks Schritte unternahmen, um Spendenmöglichkeiten an WikiLeaks zu deaktivieren. Die UN-Menschenrechtskommission zeigte sich daraufhin besorgt über mutmaßliche Einschüchterungsversuche von Wikileaks-Partnern. Insgesamt könnten die Maßnahmen ein Versuch sein, Wikileaks an Veröffentlichungen zu hindern. Dies würde gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoßen.[27]

Nach der Deaktivierung der WikiLeaks-Konten durch Visa war der Internetauftritt des Unternehmens auf Grund eines verteilten DoS-Angriffs im Zuge der Operation Payback längere Zeit nicht erreichbar.[28]

Bildnachweis
Wikipedia.org
Dieser Text basiert auf dem Artikel Visa_Inc. aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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