Zahlungsverzug – das passiert, wenn Du in die finanzielle Schieflage gerätst

Die Anzahl in Deutschland derer, die überschuldet sind, steigt dramatisch. Aktuell sind laut Medien und Statistikern um die 63 % der Menschen in Deutschland in die Schuldenfalle geraten. Es passiert schneller, als es uns lieb sein kann und vielleicht bist auch Du schon einmal in Zahlungsverzug geraten, aber wieder herausgekommen? Wüsstest Du denn eigentlich, wie die weiteren Schritte sind, wenn Du in Verzug mit offenen Zahlungen gerätst und welche weitreichenden Folgen dies für Dich haben kann? Ich versuche mal, kurz und bündig die wichtigsten Schritte zu erläutern, damit Du weißt, was auf Dich zukommen könnte.

Verzugszahlungen ohne Mahnungen musst Du natürlich trotzdem beachten

In der letzten Zeit habe ich häufig von Bekannten und Verwandten hören müssen, dass ein Zahlungsverzug ohne Mahnung nicht dramatisch sei. Das stimmt aber zu keinem Zeitpunkt und auch wenn Du ohne eine vorausgegangene Mahnung in Verzug mit einer offenen Zahlung geraten bist, kann es schneller passieren, dass ein gerichtliches Mahnverfahren eintritt und Du damit nicht nur im Schufa-Score vor Problemen stehst, sondern auch mit viel Pech in alltäglichen Belangen. In folgenden Fällen ist zum Beispiel keine Mahnung notwendig, um Dich ohnehin auf den Zahlungsverzug hinzuweisen.

Wenn Du eine Rechnung mit Zahlungsfrist bekommen hast, und diese nicht rechtzeitig beglichen hast.
• Bei Ereignissen wie Zahlung innerhalb von 14 Tage nach Erhalt der Ware • Wenn Du die Forderungen ohnehin verweigerst und dies auch schon geäußert hast

Das sind drei alltägliche Beispiele, wo nicht zwangsläufig eine Mahnung folgen müsste, um Dir mitzuteilen, dass Du in Verzug gekommen bist. Natürlich schicken die meisten Vertragspartner trotzdem eine Mahnung raus, aber ich wollte Dir zeigen, ab wann Du bereits ruckzuck in Zahlungsverzug geraten bist ohne, dass Du zum Beispiel eine Mahnung im Briefkasten bekommen hast.

Die 30-Tage Regelung muss ausdrücklich bekannt sein, damit sie gültig ist

Kennst Du die Anschreiben vom Internetanbieter, wo Du hingewiesen wirst, dass nach der Zahlungsfrist beispielsweise automatisch eine Kündigung erfolgen kann, wenn Du der Zahlung nicht nachkommst? Oder wenn Du die Zahlung nicht fristgerecht einhältst, dass Dein Anschluss vorübergehend gesperrt wird? Genau diese Art von Rechnungen und Mahnungen weisen die 30-Tage-Regelung auf und sind gültig. Es reicht nicht aus, wenn Du nach 1 Rechnung und 1 Mahnung diese Informationen aus den AGBs des Anbieters ziehen kannst, sondern nur dann, wenn sie auch schriftlich kommuniziert werden. Doch in den meisten Fällen musst Du schon im Vorfeld die Rechnung ignoriert haben, die Mahnung usw. ehe die meisten Unternehmen direkt darauf zurückgreifen, dich zu kündigen oder die Leistungen ruhen zu lassen. Doch wie immer im Leben, bestätigen Ausnahmen die Regel.

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Das gerichtliche Mahnverfahren folgt heutzutage immer schneller

Es ist ein Irrglaube zu denken, dass nach erfolglosen Mahnungen das gerichtliche Mahnverfahren zu lange dauern würde. Es geht selbst für Privatpersonen bequem online und dauert wenige Minuten, ehe Deine Gläubiger das Verfahren eröffnet haben. Wusstest Du eigentlich, dass die Gerichte nicht einmal prüfen, ob die Forderung gegen Dich auch wirklich rechtens ist? Das macht es umso leichter, wieso gegenüber der klassischen Klage das gerichtliche Mahnverfahren eingeleitet wird. Das offizielle Verfahren samt Formular haben die meisten Unternehmen, Firmen und Vertragspartner schon in ihren Unterlagen oder füllen es problemlos online aus. Dieses Mahnverfahren wird nach der korrekten Ausfüllung der Grundforderung, Verzugszinsen, sonstige Gebühren wie Mahnschreiben, Inkasso & Co nun zusammengerechnet dann an dich ausgehändigt. Jetzt heißt es, schnell sein, weil nach einer Frist von 14-Tagen läuft Deine Widerspruchsfrist ab und das ebnet die Türen für den gerichtlichen Vollstreckungsbescheid. So geht es mit einem gerichtlichen Mahnverfahren weiter und welche Chancen Du hast.

Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahren per Formular ( online möglich )
• Gerichtliches Mahnschreiben wird Dir zugestellt mit Datum und Unterschrift der Entgegennahme oder des Postboten bei Einwurf im Briefkasten
• 14 Tage hast Du nun Zeit, gegen die Forderung zu widersprechen
• Ignorierst Du die Forderung, kann der Gläubiger das Vollstreckungsverfahren einleiten

Wenn Du schon beim gerichtlichen Mahnverfahren nicht tätig wirst, hast Du wirklich ein Problem. Denn dann kann nach 14 Tagen sofort und ohne Chance auf einen nachhaltigen Widerspruch gegen das gerichtliche Mahnverfahren der Vollstreckungsbescheid an Dich versandt werden. Auch hier hast Du wiederum 14 Tage Zeit, diesem zu widersprechen und danach hast Du einen sogenannten Titel. Das bedeutet, dass Du jetzt 30 Jahre lang diese Forderung hinter Dir her rennen hast und ohne Begleichung nicht aus der Schufa mit dieser Forderung kommst. Überlege es Dir bitte, ob Du wie viele Schuldner einfach alles ignorierst. Es gibt immer einen Ausweg. Du musst nur tätig werden.

Mit diesen Verzugszinsen musst Du rechnen, wenn Du im Zahlungsverzug bist

Damit hier im Übrigen eines mal klar gestellt wird, weil es häufiger derartige Fragen gibt und im Web auch viele sich nicht einig sind, es dürfen nicht einfach irgendwelche Verzugszinsen ausgedacht werden. Hier müssen sich die Gläubiger an die Basiszinsen halten, die jährlich von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht werden. Doch es gibt noch die Möglichkeit für Gläubiger, Verzugszinsen zu erhöhen, um einen Verzugsschaden gelten zu machen. Doch auch hier muss es im fairen Rahmen bleiben, auch wenn das als Schuldner etwas seltsam klingen mag. Es gibt also einen Basiszins, an den sich im Regelfall gehalten wird und maximal kommt ein höherer Zinssatz zum Vorschein, weil noch Verzugsschaden geltend gemacht werden. Das kannst Du den Mahnschreiben wie dem gerichtlichen Mahnverfahren aber problemlos entnehmen.

Lass es erst gar nicht bis zum Vollstreckungsbescheid kommen

Wenn Du die Schulden ignorierst, wird es leider nicht besser. Ganz im Gegenteil. Die Schuldenberge wachsen, die Zinsen steigen, die Summen werden höher und Ausgaben wie Schufa-Auskunft, Gerichtsvollzieher, Kontopfändung, Einholung von Daten beim Einwohnermeldeamt & Co kommen am Ende auf Deine Kosten noch dazu. Deswegen empfehle ich immer, dass Du in einer finanziellen Schieflage dennoch die Briefe öffnest und dort entsprechend reagierst. Meist finden die beiden Parteien, also Du und der Gläubiger, immer eine Lösung. Du musst es also auf keinen Fall bis zum Vollstreckungsbescheid kommen lassen.

Autor: Tina Müller (übertragen an Marcel Rübesam am 11.05.2019)

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Ein Kommentar

  1. Früher meinte mein Sohn immer, es passiert nichts. Dann flog ein gerichtes Mahnverfahren nach dem nächsten rein und der eine oder andere Vollstreckungsbescheid. Ich empfehle jedem, diese Warnungen in dem Artikel ernst zu nehmen! Am besten Ratenzahlungen machen. Auch 5 Euro nehmen die meisten mittlerweile an, ehe sie 30 Jahre mit Titel usw warten müssen.

     

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